Und schon wieder bimmelt das Handy, SMS von Damian und Christoph: „ 101cm, wenn ihr kommt dann haben alle Hechte Zahnschmerzen… grüße Christoph“
„Ars…“, dachte ich nur. Ich musste an meine letzten zwei Angelurlaube in Schweden denken: Letztes Jahr hatte ich zwar das Glück mit den großen Hechten, doch ein gutes Beißen oder Stückzahl zu machen, dass habe ich noch nie erlebt. Ich kenne Tage, da fängt man nur 1 oder 2 Hechte in Schweden.
Umso näher Marius und ich ans Camp kamen, umso ungeduldiger wurden wir. Endlich angekommen sahen wir, dass nur Dirk wach war. Super, so können wir mit den anderen Starten und noch Labern. Also, Boot geslippt, Hütte geräumt und um 8 Uhr waren wir auf dem Wasser. Oh, was ist das denn da? Waren doch letztes Jahr noch keine Steine an der Stelle, war wohl kein Vollstau dieses Jahr und das Wasser fiel von Tag zu Tag. Die Bootsbesitzer knirschten da schon mit den Zähnen. Egal erst mal Fischen.
Die ersten zwei Stunden waren aber ernüchternd, wir hatten gerade mal einen Hecht im Boot und trafen Christop und Damian. Die hatten schon 3 Pikes bis 94cm (konnte nur der Angelvorsprung von 3 Tagen sein). Also ab zum neuen Spot, keine Minute da kam schon ne gute Attacke aber der Fisch konnte nicht gehakt werden. 10 Meter weiter dann der zweite Hecht im Boot. Noch mal 10 Meter weiter „bam“ 107cm der dritte Fisch im Boot „Meter“. Das ist ja mal ein super Anfang! Marius und ich freuten uns richtig.

Doch ich machte die Rechnung nicht ohne Christoph und Damian. Von meinem Freudenschrei angelockt kamen sie zum Smalltalk. Ich warf den Sickly, auf den der 107er gebissen hatte zu Damian, der Köder landete auf seiner Köder Box. Damian hob den Köder hoch und wollte ihn ins Wasser werfen, Christoph der Stratege knipste jedoch die Schnur durch und mein Köder landete in den Abgründen des Sees… . Im ersten Moment fand ich das mal gar nicht witzig. Gerade noch den Köder mit ein Meter entjungfert und dann 10 min später ist er weg, aber Marius hatte wenigstens seinen Spaß. Und die beiden Bollerköpfe hatten Probleme sich zu rechtvertigen. Abends beim Grillen war es dann doch ganz witzig.

Wir mussten in den ersten zwei Tagen Festellen, dass das Angeln ein anderes war wie letztes Jahr.
Die Wasserfläche war wesentlich kleiner, manche Bereiche die letztes Jahr gut waren gab es nicht mehr. Aber egal, denn es gab einen anderen Positiven Effekt, denn die Hechte standen flach und sie bissen richtig gut. Die Hechte waren schon komplett mit dem Laichen durch und standen in den Buchten und Kanten, um sich die Wampe voll zu hauen. Super: Flaches Angeln mit Jerkbaits und Co. , an manchen Tagen konnten wir echtes Schwedenfeeling erleben, mal eben sechs Hechte an einer kleinen Ecke - einfach klasse - auf so etwas habe ich schon immer gewartet.

Zwar gab es nicht die Masse an großen Fischen in den Buchten wie erhofft aber ein 80 er oder 90er war zu jeder Zeit drin. Was mir besonders gefiel, war das Diver wie Suick und Squirly Burt genau so gut fingen, wie klassische Glider oder Wobbler. Es war am Abend immer ein ausgewogenes Verhältnis an Fischen, welche auf Diver kamen oder auf andere Köder. So kann man endlich mal diese komischen Geschichten, die immer in Zeitschriften oder sonst wo stehen abhaken, dass Diver nur Köder für „bestimmte Tage“ sind.

Zur Mitte des Urlaubes hin machte sich bemerkbar, dass die Hechte nun nicht mehr viel in den Buchten verloren hatten - zumindest die Fische von 70cm aufwärts. Schniepel konnte man zu Massen noch im Flachen fangen, aber wirklich Spass macht das nur ein oder zwei Stunden am Tag. Also Strategiewechsel! Ab an die Kanten und an die Steine, dort Standen die besseren Fische. Die Stunde der Diver, Bulldogs und tieflaufenden Glieder hatte geschlagen. Es konnten schöne Fische überlistet werden, die an den Kanten oder Steinhaufen auf Futterfisch warteten. Eine ebenfalls erfolgreiche Strategie war es, Futterfisch auf dem See zu suchen und diese Fischschwärme dann gezielt mit tieferlaufenden Ködern zu befischen. Nicht selten kamen bei dem Spaß gute Freiwasserhechte an die Oberfläche. Die Hechte waren alle sehr gut genährt, kein Wunder, die brauchten sich auch nur noch umzudrehen und eine Brasse nach der andern aus dem Schwarm zu pflücken.



Am Ende des Urlaubes wurde es von Tag zu Tag windiger und das Wasser viel auch noch, teilweise bis zu 10 cm am Tag. Und zu allem Überfluss haben Marius und ich unsere Poolbrillen innerhalb von 24 Stunden beide versenkt. Das hieß dann für uns die letzen 3 Tage blind durch ein Steinmeer zu fahren. Man konnte nicht mehr dort herfahren, wo man noch vor 5 Tagen mit 40 km/h her braten konnte. So etwas wurde dann mit einem Schlag auf den Außenborder belohnt. Echt ätzend, aber was will man machen, auch das gehört zu Schweden dazu, dass man mindestens einen Propeller schrotet. Teurer Spaß, so setzten wir in den letzten 3 Tagen auf viel Freiwasserfischen und an den Kanten, die Stellen mit Steinen und viel Strömung mieden wir. Aber es wurde auch belohnt, wir konnten in den letzten Tagen noch einige gute Fische verhaften.


Am neunten Angeltag schon richtig satt von den Fischen und schon alle meine Erwartungen schon mehr als erfüllt, fischte ich mal den blöden Manta. Immer ein Köder, der nie viel Vertrauen in meiner Kiste genossen hat - sehr schöner Lauf, aber viel zu Träge dachte ich.
Aber beim dritten Wurf an einer Steininsel passierte es, beim raus heben des Manta explodierte das Wasser und ein fetter Hecht ballerte auf den Manta. Geil, Fisch sitzt und an einer kurzen Schnur und harter Rute begann nen kräftiger Drill.
Auf der anderen Seite drillte Marius noch einen anderen Hecht und zeitgleich lenkte er das Boot an den Steinen vorbei. Richtig Action auf dem Boot, so muss das sein Marius hatte nun seinen Hecht schon im Wasser abgehakt und ich landete meinen Kollegen. Das Messband blieb bei 95 cm stehen. Wow was für ein super Einstieg für den Manta. Er brachte an dem Abend noch ein paar Attacken, wobei noch ein 90 plus Fisch darunter war, klasse.
Am letzten Tag kam es dann noch geiler. Super viel Wind und Marius hatte richtig Mühe das Boot in einer vernünftigen Drift zu halten. Aber es passte, wir drifteten mal näher und mal weiter weg von der Kante. Und dann wieder „bam“ nen guter Figther hat sich den Manta geschnappt und bei der schnellen Drift war es an dem 2 Oz. Stock echt nen harter Drill und der Fisch nahm sogar Schnur, genial. Schnell gelandet und noch paar coole Bilder gemacht, abgehakt und gemessen - 104cm.

Richtig zufrieden angelten wir nicht mehr lange weiter und machten uns auf den Rückweg das Boot auszuslippen. Dirk war ja krank am Ufer zurückgeblieben, Hechtangeln ist halt noch richtiger Sport, da bleiben halt auch mal Menschen auf der Strecke. Er musste auf der Bank bleiben wegen einer Sehnenscheidenentzündung. Zum Glück ist dies erst am letzten Tag eingetreten. Wir machten uns noch einen gemütlichen Tag am Ufer mit Grillen und Boot packen. Noch ein Gruppenfoto, auf dem leider unsere beiden Bollerköpfe fehlen, aber wir konnten sie nicht am Land finden.
Ich glaube jeder von uns war dieses Jahr sehr zufrieden mit dem Urlaub. Alle Erwartungen sind wohl erfüllt worden. Jetzt kann die Raubfischsaison kommen.