Schweden 2006 Gruppe II Ein Reisebericht aus 4 verschieden Perspektiven

 

 

 

Die Geschichte aus der Sicht von Christoph…

 

„Was ist los, Konze? Wer hat wen gefangen? Jetzt beruhige Dich endlich und sag mir genau was los ist…“

 

Einige Wochen zuvor:

Seit vielen Monaten stand die Truppe fest: 8 völlig durchgeknallte Angelfanatiker, die - wie sich erst später herausgestellt hat – nervöser sein können als eine Jungfrau vor der ersten Nacht!

Nun diese Gruppe zu betreuen hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet.

Es hatte aber auch was Positives! Ich reagiere inzwischen ganz gelassen auf Fragen wie:

„Wie dicht müssen denn die wasserdichten Schuhe sein?“ oder „Wenn das nächste Einkaufszentrum 3 km weit entfernt ist, wie lange fahre ich dort hin?“ aber auch „Muss ich das Essen aus Deutschland mitbringen oder darf ich auch in Schweden einkaufen?“

Nach einigen Zig Korrespondenzen und Erklärungen war ich die Ruhe in Person und mich konnte keine weitere Frage dieser Art erschüttern!

Die Buchung ist optimal gelaufen, wir haben die gewünschten Häuser und Boote bekommen. Dennoch waren die Jungs skeptisch. Das Eis! Jeden Tag musste ich mir irgendwelche Eiskarten auf Schwedisch angucken, die ich nicht mal verstanden habe. Mein Kommentar dazu war immer: „Es wird immer weniger. Das Eis geht zurück. Ihr werdet sehen, wir werden nach dem Eis dort ankommen“ selbst war ich mir nicht sicher aber ich musste schließlich gute Hoffnung verbreiten. Ich sollte glücklicher Weise auch Recht behalten!

 

 

Der erste Tag, Truppe 1:

Pünktlich zum Trailern klingelte ich bei Marius durch. Als er das Gespräch angenommen hat, konnte ich seine Begeisterung spüren. „Boah… sieht das geil aus hier. Wir haben auch richtiges T-Shirt Wetter. Wir sind auch gleich am Boot und legen los. Wir melden uns heute Abend, wenn wir die ersten Hechte verhaftet haben.“

Doch am Abend gab es Funkstille, ebenfalls am nächsten Vormittag und am Nachmittag auch… Ich hab’s nicht ausgehalten, ich musste Konze anrufen. Doch der arme hatte nur Negatives zu berichten: Wasser viel zu kalt, Hochwasser, viel Strömung im Fluss. Alles das, was die Hechte in der Region nicht mögen. Wirklich nützliche Tipps aus 1400 km Entfernung konnte ich ihm auch nicht geben. Und hab nur gehofft, dass die Hechte schnell auf das schwedische Niveau kommen, damit die Jungs nicht den Urlaub in den Sand setzen.

 

Der Tag der Abreise, Truppe 2:

Irgendwie konnte ich die beinah schlaflose Nacht überstehen und war nach einem halben Bürotag sofort in den Packstress übergegangen. Wir wollten zeitig losfahren, um frühstmöglich den ersten Hecht zu fangen. Zwischen Bootbeladen und den Kofferaumoptimierungsspielchen klingelt mein Handy:

„Was ist los, Konze? Wer hat wen gefangen? Jetzt beruhige Dich endlich und sag mir genau was los ist…“

„Hab die Metersau! Metereins  um genau zu sein! Voll geil der Urlaub!

Sag mir wen ich noch anrufen kann!“

Der Typ war völlig außer sich. Eigentlich hab ich nur „Metersau“ und „geil“ verstanden, den Rest reimte ich mir einfach dazu.

  

Etwa 24 Stunden später: 

Endlich da! Bei Ankunft von Pitt, Marcel, Damian und mir hat sich die Einwohnerzahl des Örtchens spontan verdoppelt. In wenigen Minuten waren die Häuser bezogen, das Boot getrailert, das Tackle montiert und die ersten Hechte nicht gefangen! ???

„Was ist jetzt los?“ „Damian, sind wir schon an unserem Erfolgsgewässer oder noch nicht?“

Das schlechte Beißen der Fische mussten auch wir ausnahmslos bestätigen. Die Hotspots der letzten Jahren brachten keinen Biss. Erfolgswobbler wurden irgendwann quer durchs Boots geworfen, weil sie nicht angegriffen worden sind. Was war denn mit den Gäddas los?

Das Wasser war immer noch kalt, die Mondphase noch ungünstig, es konnte nur besser werden…

…und es wurde besser! Nach etwa 5 Bier und einer Flasche Tequila!

 

Der erste Meterhecht:

So konnte es nicht weitergehen! Konze 3 Meterfische in 2 Tagen. Dirk hatte auch schon 2 100+ Fische. Damian und ich NULL Meter! Schlimmer noch! Wir mussten uns selbst die kleinsten Schnippsel hart erkämpfen.

In relativ harter Strömung habe ich einen kraftraubenden Kampf mit unserem E-Motor geführt aber nach kurzer Zeit durch ein KO. gewonnen. Das Boot stand endlich gut in der Drift und ich wollte gerade meinen Zalt in die Weite feuern als ich aus gut 3,25 m Entfernung einen Aufschrei hört: „Scheiße….Meter!“

Aus dem Augenwinkel sah ich Damian wie er seinem Meterfisch mit dem Auge folgte, der Köder trieb jedoch ohne Fisch durchs Wasser. NUR EINE ATTACKE!

Ich ließ das Boot etwas abtreiben, damit Damian den Fisch besser beangeln konnte. Und los ging es! Der Slider flog im Minutentakt in die Richtung des Fisches. Plötzlich hängt die Sau!

Nach ein paar Kopfschlägen war die Geschichte wieder zu ende… Mist ausgestiegen

Damian gab aber nicht auf. Die Taktzahl wurde erhöht, alle 20 Sekunden klatschte der Slider hinter dem Hecht auf, bis die Dame sich vor Kopfschmerzen nicht retten konnte und zupackte.

Super Drill an der leichten Antares Bass aber auch der ist irgendwann zu Ende und die Dame wurde ins Boot gebeten. Das Maßband hat die erste Schätzung bewiesen: 100,5 cm

Die Schalmauer ist gebrochen, jetzt konnten wir uns endlich aufs Angeln konzentrieren.

 

Ein Meterfisch ist gut, zwei sind besser:

Man muss nur etwas mit den Fischen meckern, schon beißen sie. Denn als ich beinah heulend zu Damian sagte, dass die großen nur bei den anderen beißen würden und nicht bei mir, knallte es plötzlich in der Rute. „wow… der geht ab! Das ist ein guter!“

Im Flachwasser packte eine 1,04 m Dame meinen Wobbler frontal und das spürt man in der Rute. Ein herrliches Gefühl…

Nach einem heißen Drill ging es ganz schnell: Handlandung, Fotos, Köder lösen, messen und releasen! So kannst weitergehen…

 

Es wird besser:

„Spätestens wenn die erste Gruppe wieder zu Hause ist!“ Sprüche, die jeden Abend der ersten Gruppe vor die Füße gespuckt wurden. Doch die Wahrheit sah genau so aus!

Mit jedem Tag stiegen die Temperaturen des Wassers an. Das Hochwasser ging cm für cm zurück und die Hechte sprachen wieder schwedisch. In den letzten Tagen konnten wir das erleben, was wir bereits kannten. Wir fingen immer besser bis zu Abreise…

 

 

 

Die Vorfreude, ist die besch…. Freude!

Wer das Sprichwort anders kennt, der hat noch nie 355 Tage auf den nächsten Schwedenurlaub warten müssen!

 

 

                                                     

 

 

 


 

 

Schweden 2006 geschrieben von Marcel

Meine erste Fahrt nach Schweden und diese sollte ALLE Statistiken toppen…..

Kurz und knapp….In Schweden angekommen haben wir erstmal die Tippis bezogen
und alles in Ruhe ausgepackt. Gegen Nachmittag sind Pitt und Ich mit dem
Boot mal aufs Wasser.

200 m weiter, die ersten Würfe gemacht und baaaammm knallte es schon bei
mir.. Geil dachte ich mir nur…fängt ja schon gut an…Dann nix mehr.. Abends
konnte ich nicht in Ruhe am Tisch sitzen und bin schliesslich noch mal vom
Ufer aus losgezogen. Baaammm der nächste Hecht und noch nen schöner
Nachläufer von ca. 80cm. Klasse erster Tag , dachte ich mir. Noch fünf
Fische und ich hab meine Statistik schon erreicht. Sieben Hechte hatte ich
bis dato in meiner ganzen Laufbahn gefangen… Ende vom Lied war, wer von
denen kann sagen, das er in Schweden das 11 Fache seiner jemals gefangenen
Hechte in Schweden gefangen hat und das nur in 10 Tagen ???NAAAAAA.. ICH
*lach und meinen Superguide Damian durfte ich auch noch toppen. *smile

Wenn da nicht noch diese scheiss Eigenbauköder von Pitt gewesen wären. Man,
die haben mir den letzten Nerv geraubt… Direkt am zweiten Tag packte Pitt
seine Eigenbauköder aus und ich durfte mir einen aussuchen…Geil* super nett
Danke, nur bis dato wusste ich nicht, das es auch Hechte gibt die Klauen….
Tja und einen Tag später war er auch schon weg. Shit und das Ding hat so gut
gefangen…Pitt knallte einen nach dem anderen Hecht ins Boot und bei mir war
tote Hose….Aber da war Sie meine Wunderwaffe. Meine neuen Slider…..Bam Bam
Bam Bam und jeden Tag konnte ich noch mehr Fische verhaften. Geil der Köder.
Aber irgendwie fand ich diesen Eigenbauköder von Pitt so geil, daaaaa….Pitt:
Hey Marcel ich habe noch einen Köder…

Super her damit…. Ein paar mal ausprobiert, aber irgendwie fand ich, das der
Köder nicht so lief wie der Andere. Zurück in die Kiste. Àch da fällt mir
noch ein, Pitt bekommt noch Kohle für den Köder. UPS….

Irgendwann, so zwei Tage vor Ende der Fahrt, sagte ich zu Pitt, der Köder
von dir läuft gar nicht so gut wie der andere…WIE kann ja gar nicht sein.
Zack riss er mir meine Rute aus der Hand machte den Köder dran und keine
zwei Schläge später auch schon nen Hecht dran… :o)

WAAAAASSSSS???Das kann ja gar nicht sein…Ab dem Tag hieß der Köder einfach
nur noch scheiss Eignbau von Pitt. Aber der Köder war mit einer der besten
Köder in Schweden….

Und wenn da nicht noch Ollek und Bollek gewesen wären….meine Güte die beiden
sind ja echt schon krank * lach….Die haben für alles nen
Freifahrtsschein….Ich erinner Euch noch noch an das letzte Forumstreffen mit
dem Grill * lach..Wie soll es anders sein,????In Schweden war das gleiche….
Ach, bevor ich nocht weiter davon erzähle, da fällt mir noch ne Story vom
Anfang ein in Dortmund….

Pitt, Damian und ich auf nach Dortmund zu Chris. Irgendwas mit drei Uhr
wollten wir losfahren. Dann …Damian, Ach so Jungs ich muss noch mal kurz
weg, nen Computer anschliessen, ne Festplatte ein und ausbauen etc. WAT
???????Hallo wir fahren nach Schweden….. Egal wir werden schon ankommen.
Halb vier war er ja auch schon wieder da. Dann Christoph ich muss noch
DUSCHEN… Wie???Hättest du doch schon vor ner Stunde machen können. Egal auch
noch geduscht und ab die Post irgendwas gegen 17 Uhr glaub ich…weiter geht’s
mit den Beiden….

Auf der Rückfahrt kurz vor Dortmund ging es dann los. Dann fing Christoph an
zu schreien Ey Damian wieso fährst du nicht hier raus????ist doch kürzer..
Darauf folgte dann WAT??? Nix kürzer hab ich hier 15 Jahre gewohnt, oder
DU???? Jut dachte ich… Schliesslich auf der Rückfahrt so gegen 16.30 Uhr,
Pitt musste gegen 19 Uhr am Flughafen sein. Wir fuhren auf die
Autobahn…..Sind so ne halbe Stunde gefahren…..Dann dachte ich mir soooooo,
HÄÄÄÄÄ!!!!!!! Wieso fahren hier so viele Autos aus Münster am Freitag
Nachmittag???Die müssten doch wenn in die andere Richtung fahren….Dann ein
geiles Schild, das werde ich nieeeee vergessen …. WILLKOMMEN IM MÜNSTERLAND
JAaaaaaaaaaa….wie geil und wenn man jetzt noch an den Spruch denkt. EY hab
ich 15 Jahre gewohnt oder Du??? Ich konnt nicht mehr…..muuuaahhhh. Ende von
Lied Pitt kam gott sei dank noch pünktlich an….

Gruss Marcel
 


 

 

Damians Senf zu der Reise

 

„Noch 5 Tage bis wir auch Richtung Norden dürfen“

„Noch 5 Tage“, „Noch 5 ….“

Das sagte ich mir immer wieder, als ich den Jungs der ersten Truppe am Telefon alles gute für die Fahrt wünschte!

Kaum sind sie losgefahren,wollte ich schon wieder anrufen, um zu fragen,"wie´s läuft!"

Total bescheuert!

Glücklicherweise konnte ich die erste Nacht gut schlafen und am nächsten Morgen komplett vergessen, dass die Jungs das heilige Land anfingen zu befischen, bis es plötzlich im Büro klingelte: „Und, weißt Du schon was neues…“  Was? Was meint er?

Christoph erinnerte mich unsanft daran, dass unsere heiligen Gewässer gerade mit Jerbaits bombardiert werden.

„Hab gerade mit Marius telefoniert, er ist wie auf Droge und kann die Landschaft nicht in Worte fassen…“

Ich kann mir natürlich vorstellen, was Marius dort gerade sah und da stieg die Sehnsucht bei mir noch mal an!

Noch 4 Tage!

Natürlich war ich im Gedanken mehr bei den Jungs, als in der Arbeit und wartete immer auf den ersten Anruf und die Hiobsbotschaft: WIR FANGEN HIER WIE BLÖD!

 

Na ja, das Handy klingelte für die nächsten 2 Tage gar nicht.

Die Jungs fotografierten mehr Bieber, Elche und Frösche als alles andere.

Das Eis war gerade zurück gegangen und die Fische mies drauf! Wasser zu kalt bla bla.

Chris und ich waren uns einig! Ja ja, die Typen können nicht angeln! Das ist alles!

Da müssen wohl die Chefs persönlich kommen und für die erste Truppe die Fische fangen.

Die Jungs kamen, sahen und siegten.

Zumindest an neuen Erfahrungen: „Chris? Sind wir vorhin falsch abgebogen und in ein anderes Gewässer geslipt? WO SIND DIE HECHTE?!“

Die Obermacker, die vermeintlichen Superguids hatten am ersten Tag gerade mal 3cm in der Hose!

„Ok, jetzt nur nicht die Nerven verlieren. Wir sind übermüdet. Am nächsten Tag geht richtig die Post ab! „

Wer hat diesen Spruch mit der Post eigentlich erfunden und was soll das heißen?!

Also wenn Beißflaute die Post sein sollte, waren wir die Briefträger! SHITT!

 

Ungern haben wir realisiert, dass die erste Truppe vielleicht doch besser angeln konnte, als zuerst vermutet. Wir fragten uns trotzdem immer wieder,  wie sie die ganzen Meterhechte raus gezogen haben und warum wir nach 2 Tagen immer noch durch die Gegend eierten.

  

Und da sehe ich immer wieder dieses grinsende Gesicht von Konze und denke: „Das will ich auch haben!“.

Das dauerte zum Glück auch nicht lange bis ich nach einer spektakulärer Überredungskunst und 50 gezielten Würfen Richtung Schilfkante die Metermutti zum dritten Anbiss motivieren konnte und diese aufs Foto bekam!

„Ok, das Grinsen ist da…“

Der einzige, der mich davon abgehalten hat, meinen Schwebezustand zu verlassen und über weitere Meterfischtaktiken zu diskutieren war Chris. Kaum hat er die nächste Beschwerde ausgesprochen: „BINGO! Das isser!...“ Bei ihm hat es endlich auch geklingelt und ich konnte ungeniert weiter grinsen.

Ok, zwar zählt für mich ein „Erbombter“ Fisch nicht, aber Hauptsache ein Meter und was für einer! Gut genährt durfte auch dieser Prachtbursche aufs Foto.

Was die nächsten Stunden folgte, kann sich jeder ausmalen: DAUERGRINSEN in Stereo!

„Das ist Schweden Damian!“  Chris grinst mich an und mit Vollgas ab in die nächste Bucht.

 

Christoph fing zwei Tage später noch einen Meterfisch. Dieser zählte aus meiner Sicht auch nicht, da erschleppt. Ich ärgerte ihn gerne damit, den Fisch wollte ich zunächst gar nicht erst messen und fotografieren, aber dann durfte er schließlich doch mein Fotomodell sein ;-)

 

So kennen wir den Nedre! So kann es weiter gehen!

 

  

 

 

Das Duell

 

 

 

 

Nach dem ich 2 Tage hintereinander mit den 10er Fin-S gefischt habe, weil ich wieder einen Meter darauf fangen wollte und ich diesmal so viele Fehlbisse und Fehlattacken einstecken musste, bis es langsam peinlich wurde, konnte ich es nicht auf mir sitzen lassen und lud zum Spielchen ein:

 

 

 

 

 

Dies ist eine wahre Geschichte, die in Wirklichkeit viel dramatischer ablief.

 

Austragungsort:

Ein ca. 30km langes Stadion von bester Rasen- bzw. Schilfqualität.

Anpfiff: 9 Uhr morgens, Abpfiff 21 Uhr

Die Spieler befanden sich noch in den eigenen (Jerk)Boxen und die Mannschaften warteten auf den Anpfiff. Insider wussten, dass es ein Prestigeduell sein würde. Deutschland gegen Polen oder besser gesagt: Piketime gegen Salmo!

 

Los geht’s , die Zuschauer waren nervös, das Wetter nahezu ideal, wer gibt den ersten Ton an?!

Ich versuchte eher mit den langen Pässen und schickte meinen Slider möglichst weit nach vorn, während Chris seinen Buffalo gezielt Richtung Mittelfeld steuerte!

 

 

 

Nach einer Stunde war erstmal gegenseitiges Abtasten angesagt. Eher langweiliges, von Taktik geprägtes Spiel. Keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen, bis ein bis dato unbekannter Gegenspieler namens: Mr Bill (Megabait) für Furore sorgte. Der kleine, wendige Kollege, der gerade mal sein erstes Debüt gab, verwandelte die ersten Treffer und ließ mich sehr blass aussehen. Nervös wechselte ich meine Slider von sinkend in schwimmend, von hell bis dunkel, doch immer wieder rannte ich ins Abseits und kassierte anschließend satte Treffer! 4:1 für den Gastgeber zu Pause! Dolle Wurst dachte ich!

 

 

 

Zweite Halbzeit fing etwas besser für mich an. (Nachdem es von meiner Seite deutlichen Worte in der Kabine gab! )

Beide Mannschaften liefen erst einmal unverändert auf Feld und zauberten was das Zeug hielt.

2:4! Der Slider konnte sich durchsetzen! 3:4, 4:4, 5:4 für die Heimmannschaft!

Das Blatt hat sich gewendet und gefeiert wurde nur noch der 10er Slider! Der Gastgeber blieb zuerst ganz cool und versuchte auf Kontersituationen zu lauern.

6:4! Jawohl! Da war er wieder!

Allmählich machte sich eine kollektive Ratlosigkeit gegen den Wundersturm aus dem Hause Salmo breit, doch da deutet der Gegenspieler auf einen Wechsel hin. „Wen mag er wohl jetzt bringen?“. Die Zuschauer schauen gespannt auf die Jerkkabine und da kommt er,

der BRASILIANER! Der little Sickly Farbe 09 in Medium!

 

„Shitt, gegen ihn habe ich die Tage schon die Hütte voll bekommen“. „Egal, ich führe mit 6:4 und es sind nur noch 3 Stunden zu spielen!“

 

Der Brasilianer braucht nicht lange, bis er die ersten Pfostentreffer und Lattenschüsse produziert und ehe ich mich versah, stand es Unentschieden: 6:6! Verdammt noch mal! Soll ich vielleicht wechseln?!

 

Ok, 7er Slider war dran! Jetzt war es mir egal, wie ich die Treffer versenke, Hauptsache das Ding zappelt im Netz! 7:6! Yes! Aber auch hier dauerte die Freude nicht lange an, nachdem meine ganze Abwehr gepennt hat, zirkelt der Brasilianer erneut ins Netz! Wieder Unentschieden!

 

Nur noch 30 Minuten zu spielen und die polnische Salmo Mannschaft führte mit 10:9! Der Brasilianer ist bei der Gastmannschaft nun Stammspieler geworden und der jenige, der den Ton angibt! Allerdings konnte sich der 10er Slider bis kurz vor dem Abpfiff sehr gut behaupten, hielt gut dagegen.

Aber was ist denn das, ein Freistoß in einer neuen Bucht. Der Brasilianer zirkelt an einer Steinmauer vorbei uuuuuund: ABGEGANGEN! „UHHHHHHI!“ Quasi wieder mal ein Pfostenschuss! Sekunden später steuert mein Stürmer die gleiche Stelle an uns „JAAAAAA“, das kann die Entscheidung sein! NEIN ABGEGANGEN! Mist!

 

Ok, jetzt keine Nerven verlieren, es sind noch 15 Minuten bis zum Abpfiff, der Gastgeber wechselt das letzte mal und bringt seinen alten Stürmer Bomber Jointed 15! Weitere Angstperlen bilden sich auf meiner Stirn. Jetzt einfach cool bleiben.

Doch was ist das, seine Schnur verheddert sich im Emotor und für den Bomber droht das endgültige aus! Ein leichtes Grinsen baut sich auf meinen Lippen auf.

 

Tragische Schlussmomente. Der Trainer der Gäste schimpft mit dem Schiri (also mit mir), ein lautes „SCHIEBER“ hallt durch die Bucht! Sein Spieler ist leider wieder einsatzbereit und die letzen 5 Minuten sind angebrochen! Jetzt bloß keine Fehler mehr machen, mit dem Emotor Zeit schinden und möglichst geschickt den Sieg nach Hause fahren! Letzte 10 Sekunden 9,8,7,6,5,4,3,2,1 AUS und vorbei! Die Heimmannschaft konnte sich mit 10:9 durchsetzen und später am Lagerfeuer konnte man ununterbrochen ein lautes OLEHH OLEHH hören!

 

Die nächsten Tage wurde ich von dem Brasilianer wieder vorgeführt! War mir aber egal! ;-)

 

 

 

 

Der Urlaub war mal wieder top, das Hechtfieber geheilt und mit neuen Erfahrungen wieder zurück gekommen.

Bedanken möchte ich mich an die ganze Truppe, die neben dem Spaß auf dem Wasser auch noch eine gesellige Truppe am Lagerfeuer war. Es hat einfach Spaß gemacht und in 350 Tagen sehen wir uns wieder ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

‘Nedre Dalälven 2006 – Tagebuch eines Bekloppten’ Geschrieben von Pitt

 

Drei Monate Vorbereitungszeit gehen zu Ende, zwei Wochen Köder und Tackle neusortieren sind nichts im vergleich mit der letzten Zeit. Ganzes Team sitzt wie auf heissen Eisen und schaut sich Wetterberichte aus Schweden an. Was soll man viel erzählen – wir haben alle gehörig Angst. Angst vor Kälte und dicker Eisdecke! O Madre Dias! Wenn das weiter so geht, dann weisen sie mich ein!

 

Reise in das Gelobte Land.

Nur noch zwei Tage. Alles ist gepackt und wartet geduldig auf die Bestimmung. Meine Frau bringt mich nach Zürich, Check-in und Schock. ’Herr Flor, Sie haben 12 Kilo Übergepack. Normalerweise kostet das 4 Euro pro Kilo!’. Die Dame ist nett, sie drückt alle Augen zu und lässt mich durch ohne einen extra Rappen. Dann geht’s alles schnell. Ich lande im Düsseldorf und Marcel holt mich ab. Damian bringt Brötchen mit und wir  frühstücken zusammen. Das Boot wird provisorisch geladen und wir holen Christoph ab. Zwischendurch Besuch bei Angel Ussat. Einige von uns haben immer noch nicht genug Köder – aber ich verrate nicht wer. Dann wird das Boot  richtig beladen und wir fahren los. Irgendwann, am frühen Morgen landen wir in Schweden und vor dem Mittag treffen wir Dirk und Frank auf dem Camp.

Die Taschen werden ausgepackt. Die Ruten werden montiert, die Haken angebracht und obwohl wir müde sind geht’s los!

 

Tag 1 – Wir warten auf Signal.

Mit Marcel landen wir in der ersten Bucht. Marcel fängt mit 10-re Slider und Fatso, ich käme das Wasser mit Bucktails. Null, nichts, Zero – keine Reaktion. Marcel fängt zwei Fische. Wir wechseln in eine andere Bucht. Diesmal gehen auch bei mir Jerks an die Leine. Am Ende des Tages steht 3:3. ich glaube, dass ich sterben werde?! Über 38 Stunden auf den Beinen. Ich hatte über 20 Bisse, die ich einfach verpasst habe – ich schäme mich ... morgen wird’s besser werden.

 

Tag 2 – Und es sollte so schööön werden.

Ich krieche immer noch auf dem Zahnfleisch. Bin komplett unausgeschlafen. Nach einem richtig grossem Frühstück fahren wir los. Es ist schlimm mit mir, ich verpenne Bisse. Ich sehe die Nachläufer zu spät. Auch an diesem Tag fangen wir nicht besonders gut. Am Abend analisiere ich die Fehler. Es gibt einiges zu verbessern. Vor allem das flache Angeln macht mir zu schaffen – ich muss mich umstellen! Ich bereite mir ein paar mittlere und kleine Wobbler vor. Die St.Croix landet unterm Bett und ich montiere mir die leichte Shimano. Schlaf, endlich Schlaf ...

 

Tag 3 – Bootstausch und was daraus wurde.

An diesem Tag tauschen wir unsere Bootspartner. Marcel angelt mit Marius und ich mit Konze. Konstantin zeigt mir wo sie gefangen haben. Wir fischen nur mir Jerks. In der ersten Bucht gibt’s zwei Hechte für Konze. Ich habe einige Bisse aber immer noch sehe ich kein Zusammenhang zwischen Köderführung und den Bissen. Nach eine Stunde sieht die Welt anders aus. In der zweiten Bucht steht 4:4 und Konstantin wird etwas unruhig ... oder ich bilde mir das alles ein? Nach dem gemeinsamen Mittagsessen, mit Marius und Marcel geht’s weiter. Am Ende des Tages haben 14 Fische im Boot, es steht 7:7 plus zwei Barsche bei mir.

 

Tag 4 – angeln ***** De Luxe.

Heute bin ich mit Marius auf dem Boot. Sein Crestliner ist einfach super cool, nicht so wie die Nussschalen mit den wir die ganze Zeit ‚herumfetzen’. Alles ist unter dem Deck verstaut und da es sehr warm ist – obwohl windig – laufen wir barfuss, wie geil ist das denn? Wir kloppen windstille Buchten ab. Marius beschäftigt sich mit Köderführung und mit der Jerkerei. Obwohl wir die ganze Zeit labbern fangen wir ziemlich gut. Die Hechte kämpfen endlich und wir erangeln uns viele Nachläufer – einer ist mir drei mal aufgestiegen bis ich ihn überlistet habe. Bis Ende des Tages haben wir Heidenspass. Wir fangen 15 Hechte, je einen Barsch und werden beim Doppeldrill gefilmt. Ich merke, dass das Blut in mir fliesst.

Tag 5 – Die Zwillingsschwestern.

Die erste Gruppe ist auf dem Weg Richtung Deutschland als ich und Marcel das Boot beladen. Wir wollen etwas Schleppen. Ich habe sogar die St.Croix mitgenommen. Marcel nimmt einen Riesengummi und ich Salmo Perch. Und es knallt bei mir, ich sage ‚habe einen!’ und als Marcel seinen Köder einholt um mir zu helfen, steigt bei ihn auch ein Fisch ein. Beide sind nicht gerade klein. Ich lande als erster und Marcel später. Wir helfen uns wo wir nur können. Nach Releasen sind wir uns sicher, dass es Zwillingsschwestern waren. Beide gleiche Augen und gleiche Kleidfarbe dazu beide 94 cm lang. Woow! Kurz danach steigt bei mir noch ein kleiner Räuber ein, aber nichts wirklich erwähnenswertes bis Marcel einen Biss bekommt und einen schönen Meter (genau 100 cm) landet. Es war ein netter Tag.

 

Tag 6 – Nuklearer Winter und der Slider.

Die mitgebrachte Sonne hat sich hinter dicken Wolken versteckt. Nach gestrigem Wetterumschwung wird es immer schlimmer. Die Wellen tragen Schaumkrönchen und wir vermissen Kurzarmangeln der letzten Tage. Das Asphalt auf dem Himmel lässt böses ahnen. Wir haben sogar Graupel und leichten Schneefall. Brrrrr ....

Wir fangen nicht schlecht aber auch nicht berauschend, im Endeffekt steigen wir – fast alle – auf 10-er Slider, der macht’s. Wir räumen richtig ab. Damians Begeisterung hat keine Grenzen – vor allem nach den zwei Tagen mit einem anderem Köder, gell? Wir kommen durchgefroren und kaputt wie die Schweinekartoffeln zurück. Morpheus nimmt uns in seine Arme ...

 

Tag 7 – Hat Jemand unsere Gebete erhört?

Es ist windig aber warm. Wir wählen eine Bucht aus und kämen sie sehr genau durch. Die Fische sind sehr aktiv und stehen im Freiwasser – zumindest die grossen. Wir fangen mit zwei Booten einige 90-er und 80-er plus viele kleine Pumpen. Ich warte immer noch auf meinen grossen Jerkfisch und werde langsam genervt. Alle treffen nur ich nicht, so ein Vetekaka! Es immer wärmer und der Wind immer stiller und wir wissen, dass das grosse Fressen anfängt. Allen gefangenen Hechten gucken Brassen- oder Hechtschwänze aus dem Schlund. Die Fischbäuche sehen so aus, als ob die Hechte Taucher fressen würden! Wenn das Wetter stabil bleibt werden wir alle genug fangen, das steht fest. Wir sind zu aufgeregt um zu schlafen ...

 

Tag 8 – Karl-Heinz

Von frühen Morgen fangen wir wie die Bekloppten. Die Hechte sind aggressiv, gierig und in einer Fresslaune von der alle Angler dieser Erde träumen. Nach dem Mittag geht’s weiter. Wir fangen uns satt. Am Abend, während eine kurzen Trolligsession treffen wir Karl-Heinz. Er nimmt genüsslich ein Bad in einem der vielen Kanäle. Spuren seiner Architektenarbeit sind überall sichtbar aber dass wir ich persönlich kennen lernen werden haben wir nicht gedacht. Gut dass Marcel ihr auf Video aufgenommen hat. Die ihn nicht kennen müssen unbedingt nach Schweden. Dieser Biber ist wirklich ein netter Kerlchen.

 

Tag 9 – Die Kannibalen.

Das Wetter hält. Das Wasser hat richtige Temperatur. Die leichte Brise faltet Tafel des Spiegels. O Gott wie ich das liebe! Wir angeln in einer Bucht, die uns schon gut beschert hat. Da ich keine Lust auf die ewige Schilfernte habe greife ich zu Spinnerbaits. Biss und Anschlag! Die Pumpe schüttelt sich wie von Hund gebissen. Ich lasse die Schnur locker, so das er sich befreien kann. Der kleine Hecht steht immer noch erschrocken vor meinen Füssen, er hat sich gerade ausgerichtet als er wirklich gebissen wird. Es sieht unreal aus. Wie aus dem Nicht kommt ein 80-er angeschossen und packt seinen kleinen Bruder in der Mitte. Im ICE-Tempo verschwindet er im Nichts samt seiner Beute. Ich glaube dass ich ganz schön doofes Gesicht hatte, wäre wohl Foto des Jahres. O Gott wie ich das liebe!

 

Tag 10 – Zum letzten Mal Scha-la-la-la-la-la-la-la-la!

Jedes Mal wenn wir einen fangen schallt es Scha-la-la-la-la-la-la-la-la! Da es heute der letzte Tag ist hoffen wir auf reichlich Scha-la-la-la-la-la-la-la-la’s. und es ist auch so. die Hechte beissen wie von Tarantel gestochen. Bis Mittag habe ich 8 und der 9-te fällt mir von dem Haken, als ich noch kaue. Christoph knackt noch eine 96-er Dame zum Schluss – praktisch um 14:00 Uhr. Damian hat zwei 90+ auf Warrior und auch Marcel ist nicht schlechter. Ein wahnsinns Vormittag. Mein letzter Fisch spielt mit mir. Ich fische mit Slider als ich sehe, dass ein grösserer hinterher schwimmt. Der Hecht bleibt vor dem Boot stehen, dreht volle 8 und guckt mir ins Gesicht. Ich werfe den Slider auf sein Schwanz, der dreht sich zum Köder, schnuppert kurz dran, dreht wieder eine volle 8 und lacht mir in die Augen. Ich tausche den Köder – ich nehme eine anderen Slider und werfe aus. Und diesmal geht der Hecht zum Köder nun aber packte er auch zu. Direkt vor meinen Augen. Bäääm! Scha-la-la-la-la-la-la-la-la! Scha-la-la-la-la-la-la-la-la! Scha-la-la-la-la-la-la-la-la! Der fisch kämpft gut an leichter Rute und modelt ordentlich, so dass wir ein paar schöne Fotos machen können. Nach dem Mittag gehen wir zurück und bereiten uns auf den Rückweg vor.

 

Zurück in die Wirklichkeit.

Schon wieder stunden lange Fahrt. Das Sitzfleisch tut weh und wir kriegen Thrombose – alle ausser Christoph, er ist Thrombosennazi, er kriegt so etwas schwules nicht. Irgendwann schlafen wir ein aber werden auch schnell wach. Chris muss vollbremsen, weil ein Reh mitten auf der Strasse steht. Danke! Wir sind hungrig und schauen uns nach Mc Donalds um. Da ist einer, nichts wie hin! Wir haben 180 Kronen und die Blondine rechnet uns 4 Big Mac Menüs aus. Ööö? Anscheinend hat sie nicht verstanden, was ihr Damian sagte und wir versuchen noch ein mal: ‘We are hungry and we are four people. We don’t need any Big Mac menue, we need something for big hunger!’. Diesmal klappt es. Wir bekommen 18 Cheesburger auf zwei vollen Tabletts – gut das wir die einzigen in dem Laden waren …

Alles geht rückwärts und ist irgendwie Routine geworden. Sogar Check-In ist gleich: ’Herr Flor, Sie haben 12 Kilo Übergepack. Normalerweise kostet das 4 Euro pro Kilo! Ich versuche ruhig zu bleiben, stay cool sage ich mir. ‚ ich bin 26 Stunden unterwegs, bin müde und schmutzig, wenn Sie wollen, dann zahle ich. Aber wenn ich feststelle, dass das Flugzeug halbleer ist, dann werde ich Euer Logo richtig bunt ausmalen!’. Sie sagte nun: ‚ Sie brauchen nicht aufzubrausen, ich kann Sie gut verstehen. Einen guten Flug mit Air Berlin’. ‚Danke schön, das ist aber nett’. Ich bestieg das Flugzeug und in dem Kopf schallte: Scha-la-la-la-la-la-la-la-la! Scha-la-la-la-la-la-la-la-la! Scha-la-la-la-la-la-la-la-la!

 

Pitt, Rotkreuz 2006

 

 

 

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