Gummifischangeln vom anderen Stern

Raubfisch-Angeln auf der Ostsee

von Dirk


                                                

Begonnen hat die Planung dieser Tour eigentlich schon vor Monaten auf einem Vertikaltrip in Holland. Gordon und ich waren auf den Maasplaasen unterwegs und wir wollten Zander ärgern. Wie so häufig biss teils stundenlang gar nichts und wenn dann mal was zuppelte waren es Zander der Kategorie Kindergarten. Gordon als erprobter Ostseeangler lästerte mal wieder über das zähe Süßwasserraubfischangeln. Ich konnte nur beruhigen – ich kenn es jedenfalls nicht anders und regelrechte Sternstunden erlebt man auch in Holland nur selten…   

Auf jeden Fall wurde ein Termin für April fixiert, an dem es gemeinsam mal nach Dänemark gehen sollte. Derzeit ist ja hier eh überall Schonzeit und auch die „Fachpresse“ überschlägt sich mit Berichten zu Meerforellen und Dorschen, ich war also neugierig.

 

Los ging es dann am Freitag in aller Frühe um eine Chance zu haben noch am gleichen Tag schon mal raus zu kommen. Das Auto war so voll als ob wir einen Monat verreisen wollten. Alles war möglich, wir hatten von Trolling, über normales Schleppen, Pilken, Vertikalen, Wurfangeln, Mefo-Watangeln und Brandungszeugs alles dabei. Die Wetterprognose versprach viel Regen, aber die Windrichtung war OK, nur die Stärke 4-6 machte uns etwas Sorgen.

 

                                                                        

 

Die Fahrt lief bestens, so waren wir schon um Drei auf Langeland und konnten unser Ferienhäuschen beziehen. Schnell wurde alles verstaut, das notwenigste Tackle für eine Dorsch Schlepptour aufs Boot geworfen, schnell geslippt und um vier Uhr tuckerten wir bereits ins Zielgebiet. Nach nur 10 Minuten Fahrt konnten wir abbremsen und wir wollten 2 Manns Tiefläufer über 6-10m tiefem Wasser anbieten. Kaum waren die Ruten beide draußen da brummte auch schon die Knarre der ersten Multi und Gordon holte unseren ersten 50er Dorsch an Bord. Knapp 5 Minuten später hatten wir Alarm auf beiden Ruten. Was für ein Traumstart - dachte ich noch, Wenn man das mit den typischen Angeln bei uns vergleicht, echt der Hammer, die Geduld wird hier jedenfalls nicht strapaziert. Innerhalb der nächsten 3 Stunden konnten wir so knapp 15-20 Dorsche einsammeln, wobei nur wenige kleine dabei waren. Also stand nach dem Slippen auch noch filetieren auf der Tagesordnung. Für einen 99% Releaser wie mich eine neue Erfahrung, aber auch dies war für die kommenden Tage aufschlussreich. Teils hatten die Burschen orangebraune Krebse, teils massenhaft Sandaale im Magen. Einige Filet-Dorsche nahmen noch schnell ein heißes Bad in der mitgebrachten Friteuse – ein krönender Abschluss eines tollen Ankunftstages - köstlich…

 

                                                             

 

Am nächsten Tag klingelte der Wecker um 7:00 und Trolling auf Meerforelle stand auf der Tagesordnung. Also erst mal das ganze Tackle zusammengesetzt. Gordon zauberte diverse Multis und Schleppruten aus dem Futteral, ich hab vorsorglich mal 2 Gufi-Hechtruten und die frisch gekaufte Mefo-Kombo in der Kajüte verstaut. Nach dem Einslippen stand bei mir erst mal Bootsfahren auf dem Programm. Gordon montierte derweil diverser Schlepp-„Schweinereien“. So konnte ich nur staunen was da in welcher Reihenfolge so alles aufgetackled wurde. Sideplaner als Seitenausläufer, Verschiedene Tauchscheiben wie Side und Dipy Diver, Paravane / Kuusamos und zu guter letzt auch noch Downrigger.

Auch die meisten Köder kamen mir irgendwie fremd vor. Unscheinbare Plastikteilchen wie Apex, sowie Dodger/Grizzly Kombinationen und noch ein paar kleine Wobbler wurden montiert. Zum Teil hatten wir auf diese Art bis zu 6 Ruten gleichzeitig draußen – und das alles ohne „Getüddel“. Um es vorweg zu nehmen, Mefos oder gar ein Lachs sind leider trotzdem nicht eingestiegen. Dafür gab es hier und da mal einen Dorsch und am Ende konnten doch alle ausgelegten Köder immerhin ihre grundsätzliche Fängigkeit unter Beweis stellen. 

 

                                                                        

 

Nach einem gemütlichen OnBoard Frühstück – unterbrochen nur von dem ein oder anderen Dorschbiss wurden wir langsam ungeduldig. Also wurde nach einer weiteren Stunde eine schöne ca. 20m tiefe Kante rausgesucht bis Fisch auf dem Echo war und runter ging es mit den Vertikalködern am dicken Kopf. Auch hier knallte schon nach einer Minute der erste Dorsch bei Gordon rein. Wenig später folgte mein erster auf einen braunen Eel. In der nächsten Stunde bekamen wir so einige Hammerbisse – echt der Wahnsinn wie die sich (wohl aus Fressneid) auf den Köder stürzen. Selbst Fische von knapp 40cm schlugen einem so hart in die Rute, dass ich froh war meine 40-80g Gufi-Rute in der Hand zu haben.  

 

                                                       

Leider ließ die Durchschnittsgröße zu wünschen übrig und so hatten wir nach einer guten Stunde auch hiervon schon wieder genug. Also wieder, wie am Vortag ins Flache und mit 2 Ruten und Tiefläufern schleppen. Teils knallten 2 schöne Dorsche fast zeitgleich auf die Wobbler – an diesen Stellen haben wir dann einfach mal Markierungen in die Karte gesetzt. Übrigens gab es natürlich auch hier gute und sehr gute Farben – wobei es glaube ich fast keinen Wobbler gab der nicht fing – ich hab so innerhalb kurzer Zeit ein halbes Dutzend Wobbler entjungfert. Sehr empfehlenswert wenn man Vertrauen in neue Köder bekommen will. ;-)

 

                                                                                 

 

Mittlerweile war es früher Nachmittag und wir dachten Zeit für einen erneuten Taktik Wechsel. Die Wobblerschlepperei war sehr kurzweilig und auch die Größe der Dorsche passte. Jedoch auch die leichten Schleppkombos waren mir für meine bisherigen Erfahrungen immer noch viel zu grobes Gerät. Also haben wir uns mal wie beim Hechtangeln schön weitflächig über die markierten Stellen driften lassen. Die Tiefen von 6-8 Metern erwiesen sich hierbei als besonders erfolgreich und so flogen schnell Gufis an 20-30g Köpfen durch die Gegend. Was nun folgte werde ich so schnell nicht vergessen. Schon beim ersten Wurf wurde der über den Boden gejiggte Gufi dermaßen hart genommen das ich dachte jetzt ist ein 70+ Zander eingestiegen – im Drill folgte die Kampfkraft eines 80+ Hechtes – die Hechtrute war jedenfalls mächtig krumm und der Fisch kam erst mal gar nicht hoch. Nach letztlich doch kurzem aber heftigem Drill kam ein knapp 60cm Dorsch zum Vorschein. Heftig was diese herrlich gezeichneten Ostseeleoparden an der Rute so veranstalten.

Die erste Drift war wirklich der Knüller – wir hatten Doppeldrills und teils Serienwürfe mit Fisch auf Fisch. In knapp 20 Minuten hatten wir so ein Dutzend Dorsche gefangen. So schön kann Gummifischangeln sein. Wir kamen uns vor wie die Hauptdarsteller im legendären ersten Profi-Blinker Video.

 

                                                                            

Diese Taktik zeigte sich in den nächsten Tagen auch als die mit am Abstand erfolgreichste. Die geschleppten Tiefläufer zeigten uns durch Doppeleinschläge auf den Ruten stets die Schwärme an. Das anschließende Driften mit Wurfangeln war jedes Mal aufs Neue ein großer Spaß. Es war wie das typische Boddenangeln auf Hecht. Mit dem Unterschied das konstant alle paar Minuten ein Fisch an der Leine kämpfte. Wir hatten Traumbisse. Teils war der Gufi gerade einmal auf dem Boden aufgetischt, da schlug es auch schon ein. Wenn man einen Fehlbiss hatte war die beste Taktik den Köder direkt wieder absinken zu lassen. Meist knallte  dann direkt der nächste Dorsch rein. Selten aber ab und an bekam man sogar auch mal einen Hammerbiss im Freiwasser.

Da so viel Gelegenheit zum Testen war kristallisierten sich auch schnell einige Top-Köder heraus. Am besten liefen Naturfarben mit Braun und teils grünen oder weißen Farbanteilen. Experimente mit anderen Köderfarben brachten auch Fisch jedoch deutlich weniger. Auch die Widerstandfähigkeit der Köder wurde hart getestet. Mein super laufender Kopyto hatte leider irgendwann keinen Schwanz mehr, die anderen Shads zerschlitzen recht schnell. Die weichen Slottys waren zwar sehr fängig, jedoch brauchte man hiervon auch alle paar Dorsche einen Neuen. Am wiederstandfähigsten gegen die feinen Raspelzähne des Dorschmauls erwies sich der AA Shad von Gordon. Dieses fängige Teil hat glatt 3 Tage überlebt, mir wurden in der gleichen Zeit sicher 4-5 Köder weggefetzt.

Da ich noch nie mit Pilker geangelt hatte musste ich natürlich auch dies mal ausprobieren. Mitten im Gufi angeln hab ich auf einen kleinen 60g Pilker gewechselt. Auch hier hatte ich schnell meinen Dorsch dran zappeln. Durch den nach unten gerichteten Drilling blieben aber oft Büschel des roten Bodenkrauts hängen. Hierfür waren die Gufis natürlich weniger anfällig.

Auch war es ein herrliches „Training“, man merkte sobald einer von uns unkonzentriert fischte fing der andere leicht die dreifache Menge. Auch hier ist die Bisserkennung und konzentrierte Führung des Köders an immer straffer Schnur halt ein wichtiges Erfolgskriterium.

 

                                                                       

Einige Berufsfischer, die hier massiv mit Stellnetzen zugange waren behinderten leider etwas unsere Schlepptouren. Nachdem wir am ersten Tag innerhalb von 5 Minuten drei schöne Manns abgerissen hatten waren wir vorsichtig geworden. Die teils schlecht erkennbaren Netzmarkierungen waren schon ein Ärgernis, insbesondere als wir mit 6 mühsam ausgelegten Trollingruten eine Vollbremsung vornehmen mussten….

 

                                                                            

In Summe haben wir an den 3 Tagen zu zweit knapp 150 Dorsche gefangen und das obwohl wir immer noch mindestens den halben Tag auf Mefo geangelt haben. Ich schätze dass wir mehr als die Hälfte davon auf Gufis gefangen haben – kaum einer unter 55cm, die größten bis knapp unter 70cm. Durch die enorme Kampfkraft dieser schönen Ostseeleoparden wurde diese Tour für mich zu einem bis dahin unbekannten Angelerlebnis.

 

                                                                                             

 

Trotz aller Begeisterung fürs Dorschangeln haben wir übrigens täglich auch intensiv unsere Chancen auf die Silberbarren gesucht. So haben wir es zweimal einen halben Tag mit Trolling versucht - Trutta: Zero. Wir haben vor der Steilküste die 2-4 Meter Bereiche mit kleinen Wobblern an Sideplanern beackert – Trutta: Zero – nur paar kleine Dorsche. Einen Tag haben wir mehrere Stunden vom treibenden Boot über den Top Mefo-Stellen der Insel den traumhaften Leopardengrund mit Mefoblinkern abgegrast – auch keine Trutta. Wie heißt es so schön – die Meerforelle ist der Fisch der 1000 Würfe…

 

Fazit: Ein traumhafte Alternative zum Köderzählen in der Schonzeit. Zudem sind noch reichlich Ziele fürs nächste Mal offen geblieben – Dickdorsche über 70cm und der sehnlich erwartete erste Silberbarren….