Boddentour 10/2006 geschrieben von Damian

 

 

Die Boddengewässer sind jedem versierten Raubfischangler ein Begriff und lassen stets auf sensationelle Fänge zurück schließen.  Manche bezeichnen dieses Revier so gar als das Beste Europas.

Windsurfer zählen dieses Gebiet allerdings ebenfalls zu den besten, womit wir Angler beim Kernproblem angekommen wären.

Die Angelei dort oben ist alles andere, als ein Kinderspiel und „optimales“ Wetter für uns Weicheier wird man dort nur selten vor finden. Wer kein rauwassertaugliches Boot besitzt oder sich mit Drachenfliegen nicht vertrösten lässt, wird die eine oder andere Tour in den Sand setzen.

So konnten wir schon einige Pleiten dort oben erleben und durften vorzeitig das „Spielfeld“ verlassen.

 

Diesmal sollte sich der Wind aber zu unseren Gunsten "drehen". Einer erneuten Tour nach Rügen stand laut Wettervorhersagen nichts im Wege.

 

Das diesjährige Team bestand aus Christoph, Tibor und mir.

Vor Ort sollten noch Sebastian und Marcel mit eigenem Boot die Truppe komplettieren.

 

Freitag Mittag hoch fahren, jeder einen Meterfisch in der Hand ablichten lassen und Montag Mittag wieder zurück, war unser Plan.

Auf dem Weg dort hin fingen wir direkt über Strategien, Methoden und Erfahrungen zu reden.

Das Stadium des Hechtfiebers galt als unheilbar ausgebrochen.

 

Gegen Mitternacht bezogen wir unsere Ferienwohnung, stellten die Wecker auf 05:30 Uhr und gingen mir einem leichten Grinsen ins Bett.

 

Tibor ist 30 Min. vor uns ohne Wecker wach geworden, schmiss die Kaffeemaschine an, bereitete das Frühstück vor und zog sich dabei QVC im Fernsehen rein.

Mein Kommentar noch im Halbschlaf war: „Chris, wir haben einen Psychopathen dabei!“

 

Tibors Schlachtruf jeden Morgen „ Zeeeeeeeeeeeit ist Fiiiiiiisch“ ließen wir uns nicht zwei mal sagen.

Anziehen, Ruten montieren, Sebastian und Marcel (die ein paar Tage vor uns angereist waren) begrüßen und immer wieder skeptisch aus dem Fester nach möglichem Windsturm schauen.

 

Der erste Tag

 

Ich glaubt meinen Augen nicht, als wir beim Slippen einen spiegelglatten Bodden mit leicht rötlichen Horizont vorfanden!

Wahnsinn! Das sieht nach einem Wunschkonzert aus.

Also, Seekarte ausgepackt, den ersten Spot angefahren, Anker geworfen, Rollenbügel aufgemacht auf und FEUER!

 

Beim herrlichen Sonnenaufgang lupften wir unsere Gummis durchs Wasser, bis nach wenigen Minuten Chris den ersten Hechtbiss bekommt.

Yes! Hier stehen wir also richtig. Der erste Fisch ließ nicht lange auf sich warten.

 

Die ersten 10 halbwüchsigen Freunde sammelten wir hier und da ein, aber wo könnten deren Eltern wohl stecken?! 15er Gummis wurden gegen 23er ausgetauscht, Farben geändert und immer wieder viel versprechende Stellen angefahren. Wo sind nun die Kapitalen ?!

 

Irgendwann klingelte es beim Tibor und ein immer hin 90+ Hecht hob mit ganzem Körper aus dem Wasser ab! Was ein Drill.

Bis zum späten Nachmittag brachten wir es auf 15 Hechte, einen Zander und ein paar Barschen.

Mittlerweile konnten die besten Farben, sowie das Gewicht der Jigköpfe ganz gut eingrenzen und hofften auf den Fisch des Lebens.

Uns dreien war es klar, wo wir fischten und wie groß die Wahrscheinlichkeit auf einen Kapitalen Fisch war.

Verwunderlich war allerdings, dass der Durchschnitt der Fische holländischen Poldern ähnelte. Sind die großen Fische etwas doch noch in der Ostsee?!

Aus dem Augenwinkel sehe ich Tibor jiggen, er führe den Köder konsequent bis unters Boot, bis sein wohl letzter Jig hängen bleibt! Was ein Biss! Was ein Fisch?!

Die Bremse konnte nicht anders, als Schnur nachzulassen und der Fisch marschierte unters Boot. Das war definitiv ein besserer Fisch, der sich zuerst nicht zeigen wollte!

Auch mein Körper schüttete Adrenalin aus und das einzige, was jetzt jeder wissen wollte: WIE GROß IST ER DENN?!

Als der Fisch an die Oberfläche gelang, ging ein kollektives BOAH durchs die Runde!

Er könnte sogar 1,20 m haben! Wahnsinn!

 

Noch ein paar Fluchtversuche und der Ausnahmefisch  landete im Boot. Die Knien wurden weicher, die Hände zitteriger, das Messband zeigte 1,27 m!

Wir machten von der „kleinen“ ein paar schönen Bilder und setzen Sie behutsam zurück. Shake Hands, Kopfschütteln und an die letzten Sätze erinnern: „Hier kann Dir alles passieren“.

Solch einen Schädel habe ich im Leben noch nicht gesehen!

 

Tibor Kommentar: „Jungs, heute Abend fahren wir zu Tanke, ich geben einen aus“.

 

20 Minuten später durfte ich zu ihm sagen: „Wir teilen uns den Kasten“.

1,04 m, kurz vor Sonnenuntergang!

Ein Wahnsinns Tag! Ging zu ende! Mit knapp 20 Fischen und einem Ausnahmefisch sollte es schwer werden, das ganze noch zu toppen.

Abend machten wir es uns mit Sebastian und Marcel gemütlich am Grill. Die Jungs hatten zwar nicht so viel Glück wie wir, fingen aber auch ihre Fische.

 

Tag zwei

 

Der Wind hat aufgefrischt. Gegen 7 Uhr waren wir start klar und steuerten neue, markante Stellen an. Christoph Ziel für diesen Tag: Tausche Qualität gegen Quantität.

Bügel auf und Feuer frei! Die Gummis flogen wieder in hohen Bogen ins Wasser.

In nur wenigen Minuten sammelten wir noch vor Sonnenaufgang 5 halbstarke Hechte ein.

Zwar schaukelte das Boot etwas mehr und die 14gr. Jigköpfe mussten aufgerüstet werden, doch schien das Beissverhalten noch besser zu werden.

Leider entwickelte sich der so gut begonnene Tag zu einer Geduldprobe. Die Fische wollten gefunden werden und so verbrachten wir einige Zeit ohne Fischkontakt.

Chris zauberte zwischen durch einen schönen 97er, ein paar 80er konnten wir ebenfalls überlisten, der Meterfisch blieb an diesem Tag aus. Trotzdem konnten wir uns auf knapp über 20 Fische steigern.

 

 

 

 

 

Tag drei

 

Schweren Herzens mussten wir das Ende des Angeltages auf 12 Uhr setzen.

Der Wind nahm am diesen Tag noch etwas mehr zu, so dass die Bodden wieder das gewohnte Gesicht zeigten. Bei Windstärke 5-6 befanden sich die Hechte in bester Beißlaune und so kamen wir an dem halben Tag auf insgesamt 10 Fische zusammen.

Schweren Herzens musste die Tour in bester Beissphase abgebrochen werden, damit wir gegen Mitternacht zuhause sein konnten.

 

Ein rund um gelungener Boddentrip, der uns ca. 50 Fische in 2,5 Tagen bescherte und einen Fisch herauszauberte, der vielleicht nicht mehr zu toppen sein wird.

 

Wir lernten das riesige Gewässer wieder einen Stück besser kennen und hoffen Euch ein paar Eindrücke von dieser Gegend vermittelt zu haben.

 

Einen besonders netten Gruß möchte ich an Marcel und Sebastian richten.

Es war uns eine Freude Euch kennen gelernt zu haben.